Mehr Ruhe im Depot: Welche Rolle Anleihen spielen
Das Wichtigste in Kürze
- Wer eine Anleihe kauft, leiht Geld und erhält dafür regelmäßige Zinsen sowie am Laufzeitende sein Kapital zurück.
- Anleihegläubiger werden vor Aktionären bedient, was Anleihen in der Regel stabiler und schwankungsärmer macht.
- Kreditrisiko und Zinsrisiko bestimmen die Verzinsung: höheres Risiko bedeutet meist höhere Zinsen.
Anleihen gelten als unspektakulär, fast schon langweilig – und genau darin liegt ihre Stärke. In Zeiten stark schwankender Aktienkurse suchen viele Anleger nach Stabilität. Diese bieten Anleihen seit jeher, stehen jedoch häufig im Schatten der Aktienmärkte und erhalten daher weniger Aufmerksamkeit. Ihr Grundprinzip ist einfach: Wer eine Anleihe kauft, leiht Geld. Staaten oder Unternehmen nehmen dieses Kapital auf und zahlen dafür regelmäßig Zinsen. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger sein eingesetztes Geld zurück. Anders als bei Aktien besitzt er keinen Anteil am Unternehmen, sondern bleibt dessen Kreditgeber.
Warum Anleihen weniger riskant sind
Diese Rolle macht Anleihen grundsätzlich weniger riskant als Aktien. Aktionäre tragen als Eigentümer das volle unternehmerische Risiko – sie profitieren von steigenden Gewinnen, müssen aber auch Kursverluste hinnehmen. Anleihegläubiger hingegen haben einen vertraglich zugesicherten Anspruch auf Zinszahlungen und Rückzahlung. Gerät ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, werden zunächst die Schulden bedient, erst danach kommen die Aktionäre zum Zug. Dieses Vorrangverhältnis von Fremdkapital vor Eigenkapital sorgt dafür, dass Anleihen in der Regel stabiler sind und geringeren Wertschwankungen unterliegen.
Das Kreditrisiko im Blick behalten
Dennoch gibt es auch bei Anleihen keine pauschale Sicherheit. Entscheidend ist, wem man sein Geld leiht. Das sogenannte Kreditrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Staatsanleihen wirtschaftlich starker Länder gelten als besonders zuverlässig, da Staaten über stabile Einnahmequellen wie Steuern verfügen und nur selten zahlungsunfähig werden. Unternehmensanleihen sind dagegen risikoreicher, da Unternehmen scheitern oder in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten können.
Auch innerhalb der Unternehmensanleihen bestehen große Unterschiede: Finanzstarke Konzerne gelten als verlässlicher als hoch verschuldete Firmen. Grundsätzlich gilt dabei: Je höher das Risiko einer Anleihe, desto höher fällt in der Regel auch die Verzinsung aus. Anleger werden also für ein größeres Risiko mit höheren Zinsen entschädigt – umgekehrt bieten besonders sichere Anleihen meist niedrigere Erträge. Zur Einschätzung dieser Risiken greifen viele Anleger auf externe Bonitätsbewertungen zurück. Spezialisierte Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen und ordnen Anleihen in Risikoklassen ein, die eine grobe Orientierung bieten.
Das Zinsrisiko bei langen Laufzeiten
Ein weiteres, oft unterschätztes Risiko ist das Zinsrisiko. Es entsteht durch Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus und betrifft vor allem Anleihen mit langer Laufzeit. Steigen die Zinsen, werden neu ausgegebene Anleihen attraktiver, da sie höhere Erträge bieten. Bereits bestehende Anleihen mit niedrigeren Zinssätzen verlieren dadurch an Wert. Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist, desto stärker wirkt dieser Effekt, weil Anleger über viele Jahre an den ursprünglichen Zinssatz gebunden bleiben. Kurzlaufende Anleihen reagieren deutlich weniger empfindlich auf Zinsänderungen, da das Kapital schneller zurückgezahlt und neu angelegt werden kann.
Anleihen zur Risikosteuerung nutzen
Aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Schwankungen, der regelmäßigen Zinszahlungen und ihres Vorrangs gegenüber Aktien tragen Anleihen zur Stabilität eines Portfolios bei. Wer sein Vermögen nicht ausschließlich den Schwankungen der Aktienmärkte aussetzen möchte, kann Anleihen somit gezielt zur Risikosteuerung einsetzen. Über Anleihen-ETFs lässt sich dies besonders einfach umsetzen, da sie viele verschiedene Anleihen bündeln und so eine breit gestreute Geldanlage ermöglichen.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
