Altersvorsorge endet nicht mit dem Ruhestand
Das Wichtigste in Kürze
- In der Entnahmephase soll aus dem Vermögen ein regelmäßiges Einkommen entstehen – ohne dass die Reserven zu früh aufgebraucht werden.
- Eine Liquiditätsreserve schützt davor, in schwachen Börsenphasen Wertpapiere verkaufen zu müssen.
- Die Vier-Prozent-Regel und ein flexibles Entnehmen bilden zusammen eine robuste Grundlage.
Die Altersvorsorge endet nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand. Nach Jahrzehnten des Sparens und Investierens beginnt eine neue, oft unterschätzte Phase: Aus dem aufgebauten Vermögen soll ein regelmäßiges Einkommen entstehen. Diese Entnahmephase ist entscheidend dafür, ob die finanziellen Reserven langfristig ausreichen.
Viele Menschen wünschen sich im Ruhestand vor allem Sicherheit. Deshalb liegt der Gedanke nahe, das Vermögen vollständig aus Aktien, Fonds oder ETFs abzuziehen und auf dem Konto zu parken. Kurzfristig wirkt das beruhigend, langfristig kann es jedoch problematisch sein. Denn Geld verliert durch Inflation an Kaufkraft. Da der Ruhestand heute oft 20 bis 30 Jahre oder länger dauern kann, sollte ein Teil des Vermögens weiterhin investiert bleiben.
Liquidität und Renditechancen verbinden
Eine sinnvolle Strategie verbindet deshalb Liquidität und Renditechancen. Für die Ausgaben der nächsten Jahre kann ein Teil des Geldes in Tagesgeld, kurzfristigem Festgeld oder Geldmarktfonds gehalten werden. Diese Reserve schafft Stabilität und verhindert, dass in schwachen Börsenphasen Wertpapiere verkauft werden müssen. Gerade zu Beginn des Ruhestands ist das wichtig, weil frühe Kursverluste bei gleichzeitigen Entnahmen das Vermögen dauerhaft belasten können.
Der übrige Teil des Vermögens kann weiterhin breit gestreut angelegt bleiben. Aktienfonds oder ETFs bieten zwar keine Garantie, haben langfristig aber bessere Chancen, Inflation auszugleichen und Erträge zu erwirtschaften. Gleichzeitig kann es im Ruhestand sinnvoll sein, das Portfolio etwas konservativer aufzustellen, etwa indem Anleihen oder andere schwankungsärmere Anlagen stärker gewichtet werden als in der Ansparphase. Schließlich ist der Anlagehorizont kürzer und die Möglichkeit, größere Verluste über die Zeit auszugleichen, geringer. Der Ruhestand bedeutet deshalb nicht automatisch das Ende des Investierens, sondern eine veränderte Gewichtung zwischen Sicherheit und Wachstum.
Wie viel entnehmen? Die Vier-Prozent-Regel
Für die Höhe der Entnahmen gibt es verschiedene Konzepte. Eine bekannte Orientierung ist die Vier-Prozent-Regel: Bei einem Vermögen von 500.000 Euro würden im ersten Jahr etwa 20.000 Euro entnommen. Die Idee dahinter ist, dass ein breit gestreutes Portfolio langfristig eine Rendite in dieser Größenordnung erwirtschaften kann. Wer nur in diesem Rahmen entnimmt, verfolgt daher eher einen konservativen Ansatz mit dem Ziel, den Kapitalstock möglichst zu erhalten. Garantiert ist das jedoch nicht, denn Kapitalmärkte schwanken und Erträge fallen nicht jedes Jahr gleich aus.
Am Ende gibt es nicht die eine richtige Lösung. Wer Vermögen erhalten oder vererben möchte, wird eher darauf achten, nur die laufenden Erträge zu entnehmen. Wer sein Kapital dagegen vor allem für den eigenen Ruhestand aufgebaut hat, kann auch bewusst Teile des Vermögens schrittweise verbrauchen. Die passende Strategie hängt deshalb nicht nur von Rendite und Risiko ab, sondern vor allem vom persönlichen Ziel.
Flexibilität als Schlüssel
Entscheidend ist Flexibilität. In guten Marktjahren kann etwas mehr entnommen werden, in schwächeren Jahren etwas weniger. Eine Liquiditätsreserve, ein weiterhin investierter Vermögensanteil und realistische Entnahmen bilden zusammen eine robuste Grundlage. Altersvorsorge bedeutet daher nicht nur, Vermögen aufzubauen, sondern auch, es später strukturiert zu nutzen.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
